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Treffpunkt Theaterforum – eine sozialdemokratische Weihnachtsgeschichte aus dem Dreiländereck

Der Weihnachtsstern im Foyer des Zittauer Theaters kommt aus dem sächsischen Herrnhut, der festlich strahlende Kronleuchter wurde 1936 im böhmischen Gablonz hergestellt. Unter solchen Zeichen haben sich die Sozialdemokraten der grenznahen Ortsvereine Zittau, Hradek und Bogatynia zur gemeinsamen Weihnachtsfeier getroffen. Das Zittauer Gerhart- Hauptmann Theater war in diesem Jahr Ziel einer Führung durch die Spielstätte. Nicht nur, weil hier die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens aufgeführt wird, wo es um die Läuterung eines hartherzigen Geizkragens geht. Dieses Theatererlebnis könnte der eine oder andere Sozialdemokrat privat einmal nachholen. Um das Innenleben des Theaters einschließlich Bühnenraum und hochmoderner Drehbühne ging es, aber auch um soziale Befindlichkeiten. Immerhin sollen hier wegen der Kürzungen im sächsischen Kulturetat 24 Stellen gestrichen werden. Keine guten Weihnachtsgeschichten für die Schauspielkunst also, trotz äußerem Glanz per Stern und Kronleuchter. Eine Unterschriftensammlung gegen diesen Sozial- und Kulturabbau, die nun Namen von dies- und jenseits der Neiße trägt gehört mit zu den sozialdemokratischen Weihnachtsgeschichten, die das Leben im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien schreibt.
„Auch das alljährliche Treffen der Sozialdemokraten im Dreiländereck zum 1. Mai am Pfaffenstein wird im Zittauer Rathaus positiv gesehen und hat immerhin Eingang in den offiziellen Jahresplan des Kulturreferates gefunden“, berichtet der Zittauer Ortsvereinsvorsitzende Wolfgang Speer nicht ohne Stolz beim anschließenden Beisammensein im „Klosterstüb´l“ zum Jahresende. Leider seien in diesem Jahr die Genossen von der polnischen SLD aus Bogatynia nicht dabei. Gerade zu Weihnachten mache man sich schon Gedanken, weil von östlich der Neiße kaum noch Signale herüberkommen. Dafür erschien fast die Hälfte der Genossen der CSSD aus dem tschechischen Hradek. Da gab es so manche Wiedersehensfreude. Zum Beispiel zwischen Jiri Tyr und Klaus Zimmermann, der vor rund 20 Jahren als Sozialdezernent und SPD – Stadtrat das Weihnachtstreffen ins Leben gerufen hatte. „Natürlich haben sich die Gesichter in diesen Jahren geändert“, resümiert dieser. Jüngere Leute ziehen weg, aber es gibt schon einige die stets zur Stange gehalten haben. Verständigungsprobleme gab es nie. Vor allem bei den Tschechen und den Polen findet man immer jemanden, der auf Dolmetscherniveau die Kommunikation bewerkstelligen kann, so Zimmermann. In Deutschland sei das freilich etwas anders, aber vielleicht lege das Christkind dem einen oder anderen einen Gutschein für die Volkshochschule auf den Gabentisch.
Für Jiri Tyr, den Ortsvereinsvorsitzenden aus Hradek, verbinden sich Weihnachten und das neue Jahr vor allem mit viel Hoffnung auf die Kreis- und Kommunalwahl 2012. In den Umfragen sieht es für die CSSD gar nicht so schlecht aus. In der Grenzstadt Hradek konnten die Sozialdemokraten mit dem Schuldirektor Jaroslaw Polacek immerhin schon den Vizebürgermeister stellen. Auch sonst ist der benachbarte Ortsverein mit rund 20 Mitgliedern nicht schlecht aufgestellt. Vier Abgeordnete sitzen im Lokalparlament. Vor der Presse müsse man sich allerdings in Acht nehmen. Die mache jeden Fehler zum kleinen Skandal, sagt Tyr. Man versuche ein breites Spektrum gesellschaftlicher Themen über die grenzüberschreitende Umwelt bis zu Kultur und sozialen Fragen anzubieten. Doch es herrsche bei den Genossen angesichts vieler, durch die Globalisierung verschuldeter Fragen auch eine gewisse Orientierungslosigkeit. Das komme den Rechtsparteien entgegen. Arbeitnehmerfreizügigkeit spielt im grenznahen Raum keine Rolle. Die tschechischen Weihnachtsrückkehrer reisen aus München, Frankfurt oder Hamburg an. Und da ist natürlich noch die Bankenkrise, die inzwischen auch für Diskussionsstoff unter den Dächern der gemütlichen Häuser in den böhmischen Dörfern gesorgt hat.
Doch nun ist erstmal Weihnachten. Die Grenzen von einst sind gefallen, Schengen in Kraft. Das ist Grund zur Freude und vielleicht sieht man sich unter Sozialdemokraten vor dem Fest sogar noch einmal wieder. Bei Charles Dickens zum Beispiel, wenn es um den Geist der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht geht, der egoistischen Geiz besiegt und aktiven Mitmenschen hilft.